Kloster auf Zeit

Alexianer-Jahr
Ein Angebot für "Suchende"

Auf den ersten Blick haben Maik Hollad und Martin Krystofiak nicht viel gemeinsam. Während der 28-jährige Martin Krystofiak eher ein extrovertierter Typ ist, der immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hat, hält sich der 19-jährige Maik Hollad erstmal zurück und lässt lieber Anderen den Vortritt. Vermutlich wären sich die Beiden niemals über den Weg gelaufen - gäbe es da nicht die Ordensgemeinschaft der Alexianerbrüder.
Seit Herbst 2008 leben Hollad und Krystofiak für ein Jahr unter dem Dach der Alexianerbrüder im Mutterhaus in Aachen.
Beide teilen die Begeisterung für das Alexianer-Jahr, das sie seit Herbst 2008 absolvieren. Hier wollen sie prüfen, ob ein Leben im Kloster oder die Arbeit im kirchlichen Dienst das Richtige für sie ist.

Wer suchet, der findet
Sich berufen zu fühlen für ein Leben im Kloster ist keine Entscheidung, die man zwischen Tür und Angel trifft. Und es wird heutzutage nicht leichter, diesen Weg zu gehen, weiß Bruder Benedikt aus eigener Erfahrung: „In unserer Gesellschaft wird es immer schwieriger, sich festzulegen. Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten.“ Mit dem neuen Angebot des Alexianer-Jahres können Männer zwischen 18 und 55 Jahren prüfen, ob sie  sich auf ihre innere Stimme verlassen können.

Mit gerade mal 19 Jahren gehört Hollad zu den Küken der Gemeinschaft. Anders als sein Mitstreiter Krystofiak ist er trotz seiner jungen Jahre schon jetzt sicher, dass er auch in Zukunft sein Leben in einer Ordensgemeinschaft verbringen möchte. „Schon im Kindergarten wusste ich, dass ich einmal Priester oder Ordensbruder werden möchte“ erinnert sich der ausgebildete Sozialhelfer. Maik Hollad stammt aus einer frommen Familie, wie er selbst sagt. Kirche ist für ihn Alltag und gehört zu seinem Leben in der ländlich westfälischen Gemeinde Nienborg. Mit Begeisterung engagierte sich der gebürtige Westfale in der katholischen Jugendarbeit. Nach dem Hauptschulabschluss folge dann die Ausbildung zum Sozialhelfer. Die Begegnung mit den Alexianern war zunächst zufällig.
Ein Besuch mit seiner Berufsschulklasse im Alexianer-Krankenhaus in Münster weckte die Neugier von Hollad. Im Internet informierte er sich dann über die Ordengemeinschaft – und sein Interesse wuchs. Aus dem anfänglichen Mailkontakt zu den Brüdern wurde schnell ein persönlicher. Vor dem Antritt zum Alexianer-Jahr hospitierte er für eine Woche bei den Brüdern in Aachen.

Bei Martin Krystofiak war es anders. Schon öfter im Leben wechselte er Studienfach und Wohnort. „Ich war immer auf der Suche nach dem richtigen Weg. Zwar wusste ich immer, dass es etwas Soziales sein sollte, aber es war nicht das dabei, was ich mir wirklich vorstellen konnte“, erzählt der ehemalige Student und fügt hinzu „hier bei den Alexianern habe ich das erste mal das Gefühl, zur Ruhe zu kommen.“
Für Martin Krystofiak ist es nicht das oberste Ziel, in die Ordensgemeinschaft einzutreten. Der Wunsch nach Orientierung und das Kennen lernen eines Sozialberufes in einer kirchlichen Einrichtung stehen an erster Stelle. Was daraus wird, wartet er ab.
Auch Martin Krystofiak war schon in jungen Jahren in seiner Heimatgemeinde in Hamm
aktiv in der kirchlichen Jugendarbeit. „Das war eine coole Zeit. Wenn ich aus den Ferienfreizeiten wiederkam, fehlte mir immer etwas“, erinnert er sich.

Das richtige Maß: Freiheit und Verbindlichkeit
Für die zwei Absolventen heißt es die nächsten Monate Eintauchen in die Welt der Alexianer. „Was mir besonders gefällt, ist der Verbindung zwischen der alltäglichen Arbeit im Krankenhaus auf den Stationen und dem Leben in der Brüdergemeinschaft“, betont Maik Hollad. Für seinen Kollegen ist es ein gutes Gefühl, einen strukturierten Tagesablauf zu haben. Hierzu zählen das Gebet, die Arbeit, die gemeinsamen Mahlzeiten und die Ruhephasen. „Im Alexianer-Jahr sind wir Gäste mit einem gewissen Freiraum, den wir nutzen können, um unseren Weg zu finden“, erzählt Krystofiak und beschreibt es so: „Wir können Angebote wahrnehmen, müssen es aber nicht.“ Die Entscheidung, etwas Sinnvolles aus dem Alexianer-Jahr zu ziehen, liegt also ganz in ihrer Hand.
„Wer sich für das Alexianer-Jahr entscheidet, muss keine Angst vor einem Pflichtprogramm haben. Doch ist es natürlich sinnvoll, den Rhythums und die klösterliche Lebensweise in Einklang zu bringen. So fällt die Entscheidung leichter,“ sagt Provinzial Bruder Benedikt.

Über Gott und die Welt reden
Die Gespräche mit den Brüdern und das Zusammensein auch in der freien Zeit ist für die jungen Männer eine intensive Erfahrung. Sonntags abends verbringen alle Brüder ihre Zeit gemeinsam. Krystofiak lacht: „Gerne schauen wir am Sonntag schon mal einen Tatort, so wie viele andere Menschen auch.“ Für Hollad und Krystofiak sind aber gerade die Diskussionen über Kirche, Politik und Kultur mit den Ordensbrüdern eine Bereicherung. „Wir sprechen offen über alles. Jeder hat seine eigene Meinung“ betont Hollad. Egal ob es um einen Wahlkampf geht, das Gelübde von Armut, Keuschheit und Gehorsam – alle Themen sind von Interesse. Abends geht man auch schon mal zum Reden in die Studentenkneipe um die Ecke.

Doch nicht nur das Zusammenleben mit den Ordensbrüdern ist für die beiden Männer eine interessante Begegnung. Der Kontakt zu den Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern im Haus gehört ebenfalls dazu. Vier bis für fünf Stunden täglich arbeiten Krystofiak und Hollad mit dem Stationsteam zusammen und begleiten und betreuen Menschen, die psychisch erkrankt sind. Im Moment ist der Einsatzort die Marienstation: Hier werden Senioren mit geronotpsychiatrischen Erkrankungen, wie etwa Demenz oder Depression, behandelt. Frühstück machen, Klönen, Trösten, Blutdruck messen – all das gehört zum Alltag. Maik Hollad und Martin Krystofiak bringen Erfahrungen mit, da beide schon in Seniorenheimen gearbeitet haben. Mit dem Alexianer-Krankenhaus Aachen haben die Hospitanten einen Vertrag geschlossen: Kost und Logis sind frei, zusätzlich gibt es eine Pauschale von rund 400 Euro Brutto.

Schritt für Schritt zum Ziel
Noch haben die beiden Männer einige Monate vor sich, in denen sie Schritt für Schritt ihren persönlichen Ziele im Leben näher kommen. 
Dass die Zeiten für Ordensgemeinschaften nicht rosig sind und der Nachwuchs lange auf sich warten lässt, weiß Bruder Benedikt. Dennoch, er schaut positiv in die Zukunft: „Wir müssen uns noch stärker öffnen. Die Kirchen sollten enger zusammenrücken und neue Wege gehen.“
Grundsätzlich gilt: Wer sich für ein Alexianer-Jahr entscheidet, tut dies freiwillig. Es ist keine Voraussetzung für das Postulat und Noviziat. „Dieses Jahr soll Menschen bei der Suche helfen, damit sie ihren ganz persönlichen Weg finden“.

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