Leben im Kloster

Bruder sein: Die Alexianerbrüder sind hauptsächlich in sozialen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Schulen tätig und verzichten in der Regel auf die Möglichkeit des Priesteramtes. In erster Linie stellen sie sich in den Dienst der Menschen.

Qualifizierte Fachleute

Sie sind daher zu Fachleuten in ihren jeweiligen Berufen ausgebildet und qualifizieren sich für die Übernahme von Leitungspositionen innerhalb und unter anderem auch außerhalb des Ordens. Das gesellschaftliche Ansehen ihrer Tätigkeiten ist in Europa hoch.

 

Gesellschaftliche Akzeptanz 

Dass die Alexianerbrüder unter den Ordensleuten dennoch nur eine Minderheit darstellen, hat verschiedene Gründe. Einmal werden ihre Aufgaben heute vorrangig vom Staat oder anderen, privaten Trägern wahrgenommen. Dann galt die Arbeit in sozialen Einrichtungen seit dem 17. Jahrhundert als Betätigungsfeld vor allem für Frauen, während sich die Männer hauptsächlich den im Zuge der Industrialisierung neu entstehenden technischen und wirtschaftlichen Berufen zuwandten. Und wer schließlich seinem Leben in heutiger Zeit eine besondere geistliche Prägung geben will, tritt manchmal eher einem Orden mit kontemplativem Schwerpunkt bei als einer sozial engagierten Brüdergemeinschaft. Aus Sicht der Brüderorden kommt erschwerend hinzu, dass Männer auch Priester werden können. Der Priesterberuf aber scheint eine ebenfalls hohe gesellschaftliche Akzeptanz mit der Aussicht auf einen größeren innerkirchlichen Gestaltungsspielraum zu verbinden.

Was kann einen Menschen bewegen, sich trotzdem einem Brüderorden anzuschließen? Drei Motive seien hier hervorgehoben: das Engagement für das Evangelium, die Vertiefung und Erweiterung spiritueller Erfahrung sowie das Wirken für das Heil der Menschen.


Engagement für das Evangelium

Über die qualifizierte fachliche Betreuung und Begleitung hinaus kommt es in sozialen Einrichtungen auch darauf an, sich der Seele der Menschen anzunehmen, durch Zuhören, Mitfühlen und das Gespräch über Gott. Das gilt für das Krankenhaus, für die Schule und oft sogar für die Seelsorge selbst.

Die Alexianerbrüder verstehen ihren Dienst darum nicht einfach als Sozialarbeit, Pflegedienst, pädagogische oder psychologische Betreuung. Ihr Dienst hat eine geistliche Dimension: Durch ihr Tun wendet sich Christus liebend und heilend den Menschen zu. Gegenüber den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und ihrem wertvollen Dienst haben Ordensleute eine größere Freiheit, sich ganz ihrer Aufgabe zu widmen. Und anders als staatliche Einrichtungen können die Brüder auch Menschen unterstützen, die durch die Maschen des sozial-institutionellen Netzes fallen und selbst von den Verbänden der Wohlfahrtspflege nicht mehr erreicht werden.


Vielfalt spiritueller Erfahrung

Zusammen mit den anderen Ordensleuten bilden die Alexianerbrüder einen eigenen Stand innerhalb der Kirche. Ihnen allen ist gemein, dass sie nach den Evangelischen Räten Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam leben. Aus der Perspektive der kirchlichen Hierarchie zählen die Brüder dennoch nicht zu den Klerikern (wie Priester und Diakone), sondern zu den Laien. Deswegen haben die Alexianerbrüder – allen Unterschieden in der Lebensform zum Trotz – schon immer selbstverständlich mit anderen Laien und allen Menschen guten Willens zusammengearbeitet, gerade heute in ihren großen Einrichtungen. Indem die Alexianerbrüder als Laien eigene spirituelle Schwerpunkte setzen, eröffnet sich ihnen die Möglichkeit, Wege zu einer biblisch fundierten „Laienspiritualität“ zu bereiten.

Zu den bekanntesten Worten Jesu gehört seine Zusage „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). Die Ordensgemeinschaft der Alexianerbrüder ist lebendiges Zeichen dieser grundlegenden Weise der Gegenwart Jesu unter den Menschen und in der Gesellschaft. Ein anderes zentrales Jesuswort sagt: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). Der christlich motivierte Dienst der Alexianerbrüder erinnert daran, dass die Zuwendung zum Nächsten eine ursprüngliche Form der Begegnung mit Jesus darstellt, die gleichberechtigt neben der gottesdienstlichen Christuserfahrung steht. Nach Überzeugung der Kirche spricht Jesus darüber hinaus zu jedem, der die Heilige Schrift liest und sie meditiert, wie es die Brüder regelmäßig tun.

Auch an diesen Orten des Lebens lässt sich Gott erfahren, nicht nur in der Abgeschiedenheit kontemplativer Versenkung oder in der Feier der Sakramente. Damit wird die Bedeutung von Gottesdienst und Sakramenten weder eingeschränkt noch aufgehoben. Sie werden vielmehr ergänzt und geerdet. Mutter Teresa von Kalkutta sagt: „In der heiligen Kommunion haben wir Christus in der Gestalt von Brot, in unserer Arbeit finden wir ihn in Gestalt von Fleisch und Blut. Es ist derselbe Christus." Als Laien können die Brüder das Bewusstsein und die Empfänglichkeit für diese ganz praktischen Formen der Gottesbegegnung wecken und stärken.


Wirken für das Heil der Menschen

In einem Dokument der Vereinigung der Generaloberen der laikalen Ordensinstitute heißt es, „dass Heil nicht klerikal, sondern kirchlich ist." Wer sich als Mann ganz für das Evangelium einsetzen und darin persönliche Erfüllung finden will, muss nicht notwendigerweise Priester werden. Männer können sich im sozialen, pädagogischen oder seelsorglichen Bereich den Menschen zuwenden, ohne zugleich die Verpflichtungen und Belastungen übernehmen zu müssen, die mit dem Weiheamt in der Kirche verbunden sind. Jede menschliche Begegnung gewinnt an Tiefe und vermag heilend zu wirken, die sich im Geist Jesu ereignet.

Dass der Dienst am Heil der Menschen eine Aufgabe der ganzen Kirche ist, wird am Leben und Dienst der Brüder sichtbar. Sie kümmern sich nicht nur um das körperliche oder soziale Wohlbefinden, sondern verstehen ihren Einsatz als Sorge um den ganzen Menschen, sein Heilwerden an Leib, Geist und Seele.