Mein Weg ins Kloster

Ich war damals 33 Jahre alt, als ich in unsere Kongregation eintrat und heiße Br. Nikolaus - nicht besonders alt, aber ich konnte auf wichtige Lebenserfahrung zurückblicken. So arbeitete ich bereits 14 Jahre als Pfleger und wohnte selbstständig in einem Wohnheim meines damaligen Arbeitgebers.

Die Überlegung in einen Orden einzutreten, hat sich auf eine eher ungewöhnliche Weise ereignet: Während ich mit einem Kollegen des Altenheims das Angebot von sog. Orientierungstagen wahrgenommen habe, "überfiel" mich der Leiter dieser Gruppe in der Mittagspause im Klostergarten mit einer sehr direkten Frage: "Kann ein Orden nichts für dich sein?" Wie kam er nur darauf? Ich soll ins Kloster gehen? Der Gedanke lies mich nicht mehr los, ich kann auch nicht erklären, warum es so war.

Spontan bin ich nach Mainz gefahren, wo ich mir im "Büro für geistliche Berufe" Informationsmaterial besorgte. Kurze Zeit später suchte ich bei mir im Altenheim das Gespräch mit unserem zuständigen Pfarrer. Seine Meinung war mir wichtig, weil wir freundschaftlich miteinander verbunden waren. Seine Botschaft: "Dein Platz ist hier bei uns"! Und jetzt? Alle Unterlagen habe ich daraufhin vernichtet und blieb. Was blieb, war der Gedanke an das Leben im Orden. Er ließ mich nicht mehr los, und ich wurde mutloser, dort zu arbeiten.

Eine Reise nach Rom zu einer Audienz beim Papst und eine Vatikanzeitung sollte mich weiter voranbringen. Ich las eine Anzeige der Alexianer und nahm Kontakt auf. Über fünf Jahre besuchte ich die Brüder in Aachen, arbeitete dort mit, führte intensive Gespräche und lernte die Gemeinschaft kennen. Die Entscheidung war ein langer Prozess, den ich bis heute nicht bereut habe. Sicherlich gibt es auch bei uns Höhen und Tiefen, aber das gehört zu jedem Leben.

Mein Weg ins Kloster

Mein Name ist Br. Franziskus und ich bin 45 Jahre alt. 1980 trat ich im Alter von 17 Jahren in die Kongregation der Alexianerbrüder ins Neusser Kloster ein.

Was mich damals tief beeindruckt und angezogen hat und es immer noch tut, war und ist die Hilfsbereitschaft, Güte und Liebe der Brüder, den Armen, Kranken, Alten, Behinderten und von der Gesellschaft Verachteten gegenüber.

 

Ich kann sicher sagen, dass das gute Beispiel dieser Männer, welches ich im Kloster antraf, mich nicht zögern ließ, den gleichen Weg – zunächst einmal wenigstens zu versuchen – und es mit ihnen zu wagen.

Sicher, es war gerade am Anfang nicht immer leicht; für jemanden wie mich, der vorher noch nie mit psychisch kranken oder behinderten Menschen zu tun hatte. Aber man war geduldig und behutsam mit mir, und ich durfte lernen, brauchte nicht schon perfekt zu sein. Meine Brüder hatten immer viel Verständnis für mich, sie haben mich ertragen und getragen – und das empfand und empfinde ich als ein sehr großes Geschenk – bis heute.

Nach meinem Eintritt habe ich  auf verschiedenen geschlossenen Stationen eines psychiatrischen Krankenhauses gearbeitet; dann absolvierte ich eine kaufm. Ausbildung. Nach der Ablegung der zeitlichen Gelübde übernahm ich die Heimleitung in einem Alten- und Pflegeheim in Siegburg und arbeitete dort acht Jahre. Danach ging ich wieder in das Neusser Kloster, gründete dort eine Armenküche, in welcher wir Brüder jeden Tag Essen und Kleidung an obdachlose und bedürftige Menschen ausgeben. Neben dieser Tätigkeit war ich als Provinzrat tätig und begann dann noch mit dem Studium der Theologie. Im Jahr 2001 wurde ich zum Diakon geweiht – und seit dieser Zeit arbeite ich als Seelsorger in einem großen Pfarrverband im Erftkreis. Ich habe hier auch wieder viel Kontakt mit Menschen; von der „Wiege bis zur Bahre“ darf ich sie begleiten. Diese Arbeit erfüllt mich mit großer Freude – und ich bin dankbar, dass ich sie tun darf

Fast dreißig Jahre bin ich jetzt dabei. Und während ich dies hier schreibe, ziehen die Gesichter vieler, längst verstorbener oder auch noch lebender, älterer Mitbrüder an mir vorbei. Die meisten von ihnen sind nie Männer der großen Worte gewesen: Aber ihre abgearbeiteten Hände, ihre gütigen Gesichter und sicher auch ihre kaputten Knochen sind ein Zeugnis der   Liebe und Güte Gottes – und für mich wertvoller, als alle Bücher, die ich in meinem Leben gelesen habe. Viele haben schon ihr Ziel erreicht; andere stehen kurz davor, weil sie alles, was sie hatten, zum Wohl der anderen einsetzten – mit jeder Faser ihres Lebens. Einer von ihnen darf ich sein, trotz  meiner Fehler und Schwächen, und ich bin glücklich darüber.

Ich heiße Bruder Kamillus und wurde im Jahre 1935 geboren. Nach meiner Schulzeit arbeitete ich in einem Lebensmittelgeschäft. Diese Arbeit machte mir Spaß, aber sie erfüllte mich nicht. Ich fühlte mich mehr und mehr zu Gott hingezogen und so trat ich im Jahre 1961 in die Alexianer-Brüdergemeinschaft in Aachen ein.

Das war meine Antwort auf Gottes Ruf: Gott im hilfsbedürftigen Menschen zu dienen. Ich erfuhr immer mehr Gottes Güte und machte mir den Satz zu eigen: "Ich bin dazu berufen Gottes Güte sichtbar werden zu lassen". Das gelingt mir nicht immer, aber daran zu arbeiten, ist meine Lebensaufgabe.