Ordensgelübde

Ordensgelübde

Gelübde, die durch das Leben tragen

ARMUT – dem anderen das Leben mit-teilen

Von Armut zu sprechen, erweist sich für Ordensleute in Deutschland als schwieriges Unterfangen: Sie müssen sich weder als Flüchtlinge noch als allein erziehende Elternteile oder Rentner am Existenzminimum mit den Widrigkeiten des Lebens auseinandersetzen. Sie leben mit der Sicherheit, die eine starke Gemeinschaft sowie die besondere Art der Zugehörigkeit zu Kirche bieten. Wie soll man unter diesen Umständen ernsthaft die Armut leben?

Zugänge: 

Arm zu sein, kann bedeuten, einen einfachen Lebensstil im Bewusstsein der Verantwortung gegenüber den anderen zu pflegen und nicht auf ihre Kosten zu leben. Zu diesen anderen zählen bedürftige Menschen ebenso wie die nachkommenden Generationen und die Umwelt. 

Arm zu sein, kann bedeuten, dass ich meinen Besitz teile, worin auch immer er besteht (Zeit, Begabungen, Wissen ...).

Arm zu sein, kann bedeuten, meine eigene Bedürftigkeit, meine Ohnmacht und mein Versagen anzunehmen und dies auch den anderen zuzugestehen.

Grundsätzlich gilt für das Armutsgelübde dasselbe wie für das Gehorsamsgelübde: Es beruht auf dem Vertrauen auf Gott, dass er mir das zum Leben Notwendige schenkt, durch eigener Hände Arbeit und durch die Hand der Menschen.

Bei all dem ist jedoch zu betonen, dass Armut niemals Selbstzweck ist. Sie soll mich zur liebenden Beziehung mit Gott und den Menschen befähigen, indem sie mich von allen verkehrten Bindungen an materielle Werte, an meine eigenen Fähigkeiten und Pläne, ja manchmal sogar an Menschen befreit, wenn diese Bindungen der Liebe im Wege stehen. Hier ist allerdings Vorsicht geboten: Dass Menschen hungern, obdachlos, krank oder vereinsamt sind, entspricht nicht dem Willen Gottes. Das Gelübde der Armut soll helfen, solche Fehlformen der Armut zu beheben.

GEHORSAM - Hören auf Gottes Wort

Gehorsam kommt von Hören. Im biblischen Verständnis geht es dabei um das Hören auf Gott und sein Wort, das mir in der Heiligen Schrift begegnet, aber auch in Menschen, Lebenssituationen und Erfahrungen des Alltags. Damit ist keineswegs ein blinder Gehorsam gemeint. Ebenso wenig entlässt mich der Gehorsam aus meiner ganz persönlichen Verantwortung. Der Ruf Gottes schaltet ja den Menschen, seine Vernunft, seine Gefühle und seinen Willen, nicht aus, sondern ein. Darum darf ich Gott offen und ehrlich gegenübertreten. Das schließt auch die Möglichkeit zur Frage, selbst zum Widerspruch ein. Letztlich beruht der Mut zum Gehorsam gegenüber Gott auf dem Vertrauen, dass er es gut mit mir meint, selbst dort noch, wo Gottes Wege meine eigenen Pläne durchkreuzen. Dies war die Erfahrung Abrahams, der auf Gottes Wort hin seine Heimat verließ, um sich in dem Land anzusiedeln, das Gott ihm und seinen Nachkommen schenken wollte. Das war auch die Hoffnung der Israeliten, als sie unter der Führung Moses Ägypten verließen und sich auf die Wüstenwanderung ins Gelobte Land begaben. Was Gehorsam aus christlicher Sicht bedeutet, wird schließlich in vollendeter Weise an Jesus deutlich. Im Vertrauen auf Gott verkündete er die Frohe Botschaft und nahm für die Menschen den Tod am Kreuz auf sich.

EHELOSIGKEIT um des Himmelreiches willen -
mich Gott überlassen aus Liebe

Die Ehelosigkeit der Ordensleute ist mehr als gemeinschaftliches Junggesellentum. Der Zusatz „um des Himmelreiches willen“ verdeutlicht, dass auch dieses Gelübde nur von Gott her verstanden werden kann. Genauer gesagt: Die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen ist nur von Jesus und der Beziehung zu ihm her begreifbar. Sie bedeutet, dass ich mich wie Jesus der Liebe Gottes öffne und ihr so ungeteilt hingebe, dass sie mich ein Leben lang zu tragen vermag. Das setzt voraus, dass Jesus mich auf diesen besonderen Weg ruft.
Aber welche innere Haltung verlangt die Ehelosigkeit? Am Besten lässt sie sich vielleicht mit dem etwas altmodischen Begriff der „Keuschheit“ umschreiben. Wer keusch ist, begegnet allem Geschaffenen mit Respekt und Ehrfurcht. Die Keuschheit ist eine Weise, das eigene Mann-Sein bzw. Frau-Sein in Offenheit für die Liebe Gottes zu leben – und so selbst zu einem wahrhaft Liebenden zu werden. Weil ich mich als geliebt erfahre, bin ich bereit, mich anderen zu öffnen und mich an sie zu verschenken. In diesem Sinne sind zur Keuschheit auch Verheiratete und ehelos Lebende gerufen.
Ziel einer keuschen Lebensführung ist es, sich von der Ich-Verhaftetheit zu lösen, damit Gott durch mich hindurch wirken kann. Das heißt nicht, dass ich Gefühle und Empfindungen beschneiden müsste. Erst recht beinhaltet die Keuschheit (und damit auch die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen) keine Abwertung des Leibes oder der Sexualität. Richtig gelebt, erweist sie sich als fester Bestandteil jeder gelungen Liebesbeziehung zwischen Menschen.